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Alpinunfallstatistik 2018

ALPINUNFALLSTATISTIK 2018

10.01.2019
Autor: Regina Sterr, Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit 
Im Jahr 2018 sind in Österreich zwischen 1. Januar und 31. Dezember 268 Menschen im Alpinraum tödlich verunglückt. Wie aus der Alpinunfallstatistik des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit / BM.I Alpinpolizei hervorgeht, sind das 22 Alpintote weniger als im Vorjahr (290) sowie im langjährigen Durchschnitt mit 292 Toten pro Jahr.

„Diese Entwicklung ist erfreulich, zeigt aber auch, wie wichtig Präventionsarbeit im Bergsport ist. Die Alpinpolizei, Vereine, Verbände und das Kuratorium leisten hier hervorragende Arbeit. Jeder Todesfall ist einer zu viel, so Karl Gabl, der Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. Aus der Statistik lässt sich außerdem erkennen, dass der Tod am Berg männlich ist. Es verunglückten überdurchschnittlich viele Männer in den Bergen (85 Prozent), insgesamt starben vergangenes Jahr österreichweit 230 Männer und 38 Frauen am Berg.
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7.230 Verletzte sind im Jahr 2018 in der Alpinunfalldatenbank zu verzeichnen. Das sind immerhin 777 Verletzte weniger als im Vorjahr 2017. Im 10-Jahresmittel liegt die Zahl der Verletzten bei 7.356.

Der Anteil der Unverletzten hingegen hat in den vergangenen 10 Jahren signifikant zugenommen und machte im Berichtsjahr mit 32 Prozent fast ein Drittel aller Notrufe aus. Alpine Notrufe werden nicht nur bei Unfällen mit Toten und Verletzten abgesetzt, sondern auch von unverletzten Personen, die sich in einer misslichen Lage befinden (sog. Blockierung). Dazu gehören Personen, die mit den Begebenheiten einer Tour und den Verhältnissen überfordert sind oder sich selbst überschätzt haben und in der Folge in eine alpine Notlage geraten sind.
 
Alpinpolizei und Bergrettung werden bei ihren Einsätzen im alpinen Gelände vor hohe technische Herausforderungen, aber auch unter physischen und psychischen Belastungen gestellt. Österreich befindet sich in der glücklichen Lage, dass es über ein hervorragend organisiertes Rettungs- und Notfallsystem verfügt.
 
Der Bundesländervergleich zeigt, dass Tirol, wie in den Vorjahren, Spitzenreiter bei den Alpintoten (101), Verletzten (3.275) und Unfällen (3.438) ist, gefolgt von der Steiermark mit 44 Toten und Salzburg mit 36 Toten. Vorarlberg hat trotz der niedrigeren Zahl an Toten (15) eine beachtliche Zahl an Verletzten (819) und Unfällen (835) zu verzeichnen, was vermutlich auf die Wintersportdisziplinen und die große Anzahl an Pistenunfällen zurückzuführen ist.
Betrachtet man die Verteilung der Unfalltoten in Österreichs Bergen nach Herkunft, so kommen beinahe alle Todesopfer aus dem europäischen Raum. Der Großteil der tödlich Verunglückten stammt, wie auch in den Jahren zuvor, aus Österreich (160 Tote, 60%), gefolgt vom Nachbarland Deutschland mit 61 Toten (23%).
„Eine wirkungsvolle Aufklärungs- und Präventionsarbeit zur Ausübung des Alpinsports beginnt am besten bereits im Kindesalter. Schulsportwochen im Sommer und Winter sowie Tritt-Gehschulungen, Parcours (Biken, Laufen, etc.) und Kurse bei alpinen Vereinen können hier ein Ansatz sein“, so Gabl.
Unfallzahlen 2018 Unfallstatistik 2018 Alpinunfallstatistik 2018

UNFALLTOTE NACH BETÄTIGUNG & MONATEN

Die Bergsportdisziplin mit den meisten Unfalltoten im Jahr 2018 ist Wandern/ Bergsteigen mit insgesamt 88 Toten (35%), gefolgt von tödlichen Unfällen im gesicherten Skiraum (Piste/ Skiroute) mit 30 Toten (13%). Ca. 29% der tödlich verunglückten Personen sterben nicht beim Bergsport, sondern bei der Jagd, Forstarbeiten u. ä., mit Fahrzeugen auf Bergwegen oder durch Suizid im Gebirge.
Übersicht Tote in Österreichs Bergen nach Bergsportdisziplinen – 01.01. bis 31.12.2018 und im Mittel 10 Jahre 2009 bis 2018: 
DISZIPLIN TOTE 2018 TOTE MITTEL 10 JAHRE %-ANTEIL MITTEL 10 JAHRE
(Ski-)Tour 17 20 7%
Eisklettern 2 1 0%
Flugunfall 4 9 3%
Forstunfall u. ä. 24 22 8%
Höhlenunfall 2 1 0%
Jagd 5 6 2%
Klettern 19 16 6%
Kombinierte Tour/ Hochtour 6 5 2%
Langlauf 1 2 1%
Liftunfall 0 1 0%
Mountainbiking 9 5 2%
Piste/ Skiroute 30 37 13%
Rodeln 1 1 0%
Sonstiges 24 16 6%
Straßenverkehr 6 7 2%
Suizid 18 25 9%
Variante 12 11 4%
Wandern/ Bergsteigen 88 99 35%
Wildwassersport 0 2 1%
GESAMT 268 284 100%
Übersicht Tote in Österreichs Bergen nach Disziplinen Sommer und Winter 01.01. bis 31.12.2018:
DISZIPLIN TOTE 2018 %-ANTEIL
Klassische Nicht-Bergsportdisziplinen (Jagd, Forstunfälle u. ä., Straßenverkehr, Sonstige) 77 29%
Tote Sommerbergsportdisziplinen 128 48%
Tote Winterbergsportdisziplinen 63 23%
GESAMT 268 100%
Der Bergsport ist stark von saisonalen Schwankungen und der Witterung abhängig. Zumeist ist die Anzahl der Alpintoten im Juli und August am höchsten. In unfallreichen Wintern kann es aber auch zu einer Verschiebung in die Monate Februar bzw. März kommen. Im Jahr 2018 war der September der unfallreichste Monat mit tödlichem Ausgang. Lt. Aufzeichnungen der ZAMG nimmt der September 2018 einen Platz unter den 20 wärmsten September-Monaten in der 252-jährigen Messgeschichte ein. Vermutlich hat dies zahlreiche Alpinsportler in die Berge gezogen.
 

LAWINEN, ALTERSVERTEILUNG & HERZ-KREISLAUFVERSAGEN

Im Betrachtungszeitraum 01.01. bis 31.12.2018 registrierte die Alpinpolizei 95 Lawinenunfälle, bei denen 15 Personen starben. Die tödlichen Unfälle durch Lawinen verteilen sich wie folgt: 8 (Ski-)Tour und 7 Variante.
Der Appell an die Wintersportler im freien Gelände: Die Kameradenrettung bei Lawinenunfällen und der Umgang mit der Lawinen-Notfallausrüstung (LVS-Gerät, Sonde und Schaufel) sind auf Tour unumgänglich und waren auch im Berichtsjahr 2018 in einigen Fällen lebensrettend.

„Die Lawinenrettung und der Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung sollten jedes Jahr trainiert und aufgefrischt werden, um bestmögliche Sicherheit gewährleisten zu können. Außerdem sind ein defensives, an die Situation angepasstes Verhalten, eine gesunde Portion Einschätzung des Eigenkönnens sowie die Beachtung der Warnungen von Warndiensten unumgänglich“, sagt Gabl, selbst Berg- und Skiführer sowie Meteorologe.
 
Alpintote nach Monaten Alpintote nach Alter Alpintote Österreich Entwicklung
Von den 268 Todesopfern starben im Jahr 2018 insgesamt 59 Personen an Herz-Kreislaufversagen (22%), was somit neben Sturz/ Stolpern/ Ausgleiten (15%) und dem Absturz die Hauptunfallursache bei Alpinunfällen darstellt. Die Anzahl der Todesopfer durch einen internen Notfall blieb 2018 unter dem langjährigen Durchschnitt von 75 Toten pro Jahr (2009 bis 2018). Der Großteil der Alpinunfalltoten durch Herz-Kreislaufversagen liegt 2018 wie auch in den Jahren zuvor in den Alterssegmenten 51 bis 60, 61 bis 70 und 71 bis 80 Jahren. In den Altersklassen darunter ist das Todesrisiko durch einen internen Notfall geringer.
Die tödlichen Ereignisse bei Herz-Kreislaufversagen im Jahr 2018 setzten sich nach Disziplinen wie folgt zusammen:  
UNFALLDISZIPLIN ANZAHL TOTE HERZ-KREISLAUFVERSAGEN
(Ski-)Tour 3
Forstunfall u. ä. 3
Höhlenunfall 1
Jagd 3
Klettern 1
Mountainbiking 5
Piste/ Skiroute 8
Rodeln 1
Wandern/ Bergsteigen 34
GESAMT 59


STATISTIK & ANALYSE

Ende November 2018 wurde in der gemeinsamen Alpinunfalldatenbank des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit und der Alpinpolizei BM.I der 100.000 Unfall registriert.
Eine derartige Datenqualität zu Alpinunfällen ist im Alpenraum vermutlich einzigartig.
Die Alpinunfallstatistik beruht auf den Erhebungen der Alpinpolizei (Sommer- und Winterbergsportdisziplinen). Unfälle mit tödlichem Ausgang bzw. mit schweren Verletzungen werden lückenlos erfasst. Sämtliche gemeldete Ereignisse im alpinen Gelände werden von der Alpinpolizei  unabhängig vom Verletzungsgrad erhoben. Im organisierten Skiraum wie im Bereich der Skipisten und Skirouten werden die Ereignisse nur dann erhoben, wenn Verdacht auf Fremdverschulden besteht oder der Unfall für einen der Beteiligten tödlich endet.
 
Ein ausführlicher Bericht zu den Winter- und Sommerbergsportdisziplinen für den Betrachtungszeitraum 01.11.2017 bis 31.10.2018 wird in der kommenden Ausgaben von analyse:berg – jahrbuch Winter 2018/19 und Sommer 2019 präsentiert. 
 


DIE PRÄVENTION
50 JAHRE ÖSTERREICHISCHES KURATORIUM FÜR ALPINE SICHERHEIT

Mit der Tourenplanung und einer realistischen Selbsteinschätzung sowie Respekt gegenüber Natur, Mensch und Technik kann im Vorfeld ein Beitrag zu mehr Sicherheit geleistet werden. Seit 50 Jahren (1968) sind Prävention und Reduzierung der Unfallopfer die Kernziele des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit. Die stetige Aufklärungs- und Präventionsarbeit leistet einen Beitrag zur Verhinderung von unnötig verursachten, kostspieligen und stets auch risikobehafteten Einsätzen.

Um Prävention in der breiteren Öffentlichkeit zu betreiben, veranstaltet das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit unter anderem jedes Jahr die erfolgreich etablierte Alpinmesse & Alpinforum. Im Jahr 2019 findet die größte Bergsportmesse Österreichs vom 9. bis 10. November in der Messe Innsbruck statt.

Kategorie:     ALPINE ZAHLEN

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Fotos © SALEWA, Dynafit, Christophorus Flugrettungsverein, Simon Rainer
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