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Muskuläres Beanspruchungsprofil

MUSKULÄRES BEANSPRUCHUNGSPROFIL SKITOUREN
NEUESTE ERGEBNISSE EINER STUDIE ÜBER DIE MUSKULÄRE ERMÜDUNG BEIM SKITOURENGEHEN

14.12.2018
Autor: Institut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus (ISAG)
der Privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT)
 
Skitourengehen boomt! In den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Skibergsteigerinnen und Skibergsteiger verdoppelt und ist in Österreich auf ca. 700.000 Personen angestiegen. Auch beim Urlauber erfreut sich diese Sportart immer größerer Beliebtheit. Dieser Sport ist als Naturerlebnis, zur Erholung und zur Förderung von Gesundheit und Fitness besonders geeignet und leistet im Sinne eines nachhaltigen Gesundheitstourismus einen bedeutenden Beitrag. Allerdings ist das Skitourengehen, ebenso wie andere Bergsportarten, mit einem Verletzungsrisiko verbunden. 
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Im Unterschied zum Skisport liegen für das Skitourengehen jedoch keine Studien vor, in denen die Auswirkungen dieser Sportart auf die lokale Ermüdung der Oberschenkelmuskulatur untersucht wurden, welche nachweislich als Risikofaktor für Verletzungen gilt. Einen weiteren Aspekt stellt die Tatsache dar, dass diese Sportart gerade im Urlaub von vielen Touristen wiederholt betrieben wird. Daher ist es, angesichts der praktischen Relevanz einer solchen Forschung, nicht nur von Bedeutung die Belastung einer einmaligen Skitour auf die Muskulatur zu evaluieren, sondern vielmehr noch die Auswirkungen mehrtägigen Skitourengehens auf die Muskulatur zu untersuchen.

Zudem werden regenerative Maßnahmen aktiver (z.B. Dehnen oder Gymnastik) oder passiver (u.a. Sauna und Infrarot) Natur vielfach nach einem Skitag empfohlen und in vielen Hotels in Skiorten angeboten. Da es allerdings keine Studien gibt, in denen die Auswirkungen regenerativer Maßnahmen auf die lokale Muskelermüdung während wiederholten Skitourengehens untersucht wurden, war dies ein weiteres Ziel unserer Skitourenstudie, welche in St. Johann in Tirol durchgeführt wurde.
 

WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT NUN DAS SKIBERGSTEIGEN AUF DIE MUSKULÄRE ERMÜDUNG?

Nach Abschluss dieser Studie zeigte sich, dass es bei durchschnittlich trainierten Personen bereits nach einer einzigen Skitour (950 Hm und 2 h 15 Min. Aufstiegszeit) zu einer Verringerung der Muskelkraft in der Oberschenkelmuskulatur um bis zu 7,5% kommt. Diese Ermüdung ist sowohl durch den Aufstieg als auch schon durch eine einzige Abfahrt bedingt.
Verglichen mit einer anderen Studie aus dem Bereich des Alpinskifahrens zeigt sich, dass die exzentrische (Verlängerung der Muskelfasern), muskuläre Ermüdung (Ermüdung, welche durch bergabgehen oder eine Skiabfahrt induziert wird) einer einzigen Skitourenabfahrt vergleichbar mit jener Ermüdung nach vier Stunden Pistenskifahren ist.
Auch subjektiv wurde die Skitour als „etwas anstrengend“ empfunden, was wiederum unterstreicht, dass bereits bei moderatem bis leicht zügigem Tempo eine merkbare Ermüdung nachweisbar ist. Ebenfalls konnte hier gezeigt werden, dass ein individuell bestimmter Herzfrequenzbereich (Tourentempo) die gleichen Effekte zeigte, wie sie in anderen Ausdauersportarten auftreten. 
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…UND WAS PASSIERT NUN WÄHREND ODER NACH EINER WOCHE SKITOURENURLAUB?

Während der Skitourenwoche zeigte sich keine weitere Reduktion der Muskelkraft. Ein Ruhetag nach drei aufeinanderfolgenden Skitourentagen scheint die muskuläre Regeneration nicht maßgeblich zu verbessern, sodass wieder ein Ausgangsniveau erreicht werden könnte. 
Das aktive myofasziale Regenerationsprogramm (Black Roll) hatte keinen zusätzlichen Benefit.
Aufgrund dieser Daten konnte gezeigt werden, dass durchschnittlich trainierte Personen eine Skitourenwoche in einem individuell vorgegebenen Herzfrequenzbereich und mit vernünftiger Tourenwahl problemlos absolvieren können, ohne dabei derart stark zu ermüden, dass dadurch der Urlaub abgebrochen oder auf die sportliche Aktivität des Skibergsteigens verzichtet werden müsste. Natürlich ist die Ermüdung sehr stark vom individuellen Trainingszustand und der Intensität (Aufstiegstempo und Höhenmeter) abhängig.
 

…DIE PSYCHOLOGISCHEN DATEN DER STUDIE

Besonders das Wohlbefinden ist ein Punkt, der für den Urlaubsgast im Tourismus eine wesentliche Rolle spielt. Wird der Urlaub als angenehm empfunden und mit positiven Gefühlen verknüpft, schlägt sich dies in den Wiederbuchungsraten nieder.

Auch mit dieser Studie konnte deutlich belegt werden, dass sich das subjektive Wohlbefinden während einer Woche Skitourenurlaub signifikant gesteigert hat und darüber hinaus auch das soziale Wohlbefinden (Freunde treffen, ausgehen, gesteigerte soziale Aktivitäten) noch zwei Wochen nach dem Urlaub nachweislich erhöht ist. Zusätzlich wird dies von den Daten, welche nach den einzelnen Skitouren erhoben wurden, unterstrichen.
Hierbei konnte gezeigt werden, dass nach jeder Skitour ein deutliches Stimmungshoch zu verzeichnen ist und dies tendenziell über die Woche hin sogar zunimmt.
Weitere erhobene Daten ergaben, dass sich eine Woche Skitourenurlaub positiv auf die Erholung auswirkt und die subjektiven Belastungen (z.B. emotionale, soziale, allgemeine Belastungen) deutlich abnehmen.

 

SKITOUREN MIT KNIE-ENDPROTHESE (KNIE-TEP)?

Ein weiterer Teil der Studie befasst sich mit der Thematik „Skibergsteigen mit Total-Knie-Endprothese (Knie-TEP)“, welche ähnliche Ergebnisse aufzeigt. Hinsichtlich der muskulären Ermüdung konnte keine Reduktion der Kraftwerte über den Wochenverlauf festgestellt werden. Weder ein spezieller Treppensteigtest, noch eine erweiterte Ganganalyse lieferten dabei einen Hinweis auf eine Muskelermüdung. Einzig der S3-Check (MFT) resultierte in einer Reduktion der Körperstabilität im Stehen über den Wochenverlauf. In Bezug auf das Wohlbefinden weisen die Daten auf eine Abnahme von Stress und einer Verbesserung des Wohlbefindens hin. Anzumerken ist an dieser Stelle noch, dass es sich bei den Probanden um erfahrene Skitourengeher/innen handelte, welche auch vor der Operation Skitouren absolviert hatten.
 

FAZIT…

Die Daten der muskulären Ermüdung sprechen klar dafür, dass ein einwöchiger Skitourenurlaub in moderater Intensität gut toleriert wird. Stressreduktion und der positive Einfluss auf das Wohlbefinden unterstreichen den Genuss eines Skitourenurlaubs in den Bergen. Skibergsteigen mit Knie-TEP ist grundsätzlich möglich, jedoch braucht es hier noch weitere größere Studien, um konkrete Empfehlungen abgeben zu können.
 
Besonders für weniger versierte oder schlechter trainierte Skitourenurlauber wäre ein Aufbautrainingsprogramm für das Herz-Kreislaufsystem mit zusätzlichen kraftbetonten Trainingsmethoden vor Urlaubsbeginn sinnvoll. Hierzu eignen sich aerobe Sportarten wie Laufen, Radfahren und Wandern am besten, um dahingehend das Herz-Kreislaufsystem zu stärken. Die Kräftigung der Beinstrecker und –beuger ist für eine verbesserte Kniestabilität besonders anzuraten. Exzentrische Trainingsanteile (z.B. abwärtsgehen/ -laufen) unterstützen die Muskulatur, um die bei der Abfahrt auftretenden Belastungen besser zu tolerieren.
  

Durchaus anzudenken ist auch ein Skitourentechnik-Training während des Urlaubs, da eine schlecht entwickelte Technik Einfluss auf die muskuläre Beanspruchung haben kann. Zudem empfiehlt es sich auf eine angepasste individuelle Belastung während einer Skitour zu achten. In diesem Zusammenhang ist eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik im Vorfeld der Urlaubsplanung zur Bestimmung der individuellen Leistungsbereiche und Leistungsgrenzen empfehlenswert, um anhand der gewonnenen Daten einer Überbelastung des Herz-Kreislaufsystems vorzubeugen.

Eine Studie des Instituts für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus gefördert durch den europäischen Fond für regionale Entwicklung und Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020. Das Projekt WinHealth ITAT 2015 ist gefördert durch Mittel der EU aus dem Europäischen Fond für regionale
Entwicklung und Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020.

Kategorie:     ALPINMESSE

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Fotos © Schneesportschule Hochzeiger Pitztal, Heinzlmeier Bert, Mallaun Josef, Stolle Frank, Tirol Werbung, Dynafit,  Alpenverein Österreich
Quelle: Interreg Italia-Österreich WinHealth - European Regional Development Fund, isag, UMIT
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