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Notruf auf Hochtour © ÖAV

DIE NOT MIT DEM NOTRUF IM GEBIRGE

11.06.2018
Autor: Gerhard Mössmer, Österreichischer Alpenverein
Im urbanen Umfeld ist die Sache mit dem Notruf aus zweierlei Gründen relativ klar: Zum einen verfügen wir über sehr gute, flächendeckend ausgebaute GSM-Funknetze, aus denen wir überall und jederzeit mit unserem Mobiltelefon aus unserem eigenen Netz einen Notruf absetzen können und zum anderen sind Aufgabenverteilung und Kompetenzen klar: Wenn‘s brennt wählen wir die 122, ist die Polizei gefragt die 133 und wird die Rettung gebraucht, hilft die 144. Alternativ dazu, wenn beispielsweise die Zuständigkeit nicht klar ist, fällt die Wahl auf den europaweit einheitlichen und länderübergreifenden Euronotruf 112. Soweit so gut. Aber wie schaut‘s mit dem Notruf im Gebirge aus? Weder ist am Berg eine flächendeckende Netzabdeckung gegeben, noch ist klar, wann welche Nummern und Apps funktionieren und welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen.
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KEIN NETZ, KEIN NOTRUF?

Tritt im Notfall der Worst Case ein und wir verfügen am Berg weder über ein eigenes, noch über ein fremdes GSM-Funknetz, können wir logischerweise keinen Notruf absetzen, weder telefonisch noch über SMS oder App. Die uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, dennoch die Rettung zu alarmieren sind demnach relativ bescheiden:
  • Eventuell hilft ein Standortwechsel von uns selbst oder einer dritten Person auf eine übersichtliche Stelle, um wieder ein Netz zu erlangen.
  • Eine weitere Möglichkeit ist das Alpine Notsignal: Mittels sechs akustischen und/oder sechs optischen Signalen pro Minute geben wir zu verstehen, dass Hilfe benötigt wird.
  • In manchen Ländern, z.B. in der Schweiz, werden - insbesondere von Bergführern - für Notfälle noch herkömmliche Funkgeräte verwendet, mit denen man eventuell eine Hütte oder einen Hubschrauber erreicht.

Die effizientere Methode dem gegenüber und eine echte Alternative für Abenteurer sind zweifelsfrei Satellitentelefone bzw. Messenger-Systeme. Einzige Voraussetzung, dass sie funktionieren ist eine Sichtverbindung zu Satelliten, die aber am Berg in der Regel gegeben ist. Die Vorteile der Satellitentelefone liegen klar auf der Hand, da der Notruf wie mit einem normalen Mobiltelefon abgesetzt werden kann.
ABER ACHTUNG
Nicht alle Satellitentelefone haben – eine Ausnahme stellt das Iridium-Netz dar – eine weltweite, flächendeckende Netzabdeckung. Bei Immarsat fehlen die Polargebiete, Globalstar hat keine Abdeckung im Norden und das Thuraya-Netz ist ebenfalls nicht flächendeckend. Vor allem im privaten Abenteuer- und Expeditionsbereich in den entlegensten Gebieten zu Wasser und zu Land sind Notruf-Sender von Garmin (vormals DeLorm) und Spot LLC (Messenger Spot Gen 3) in Mode gekommen. Mit ihnen können Notrufe abgesetzt werden und zum Teil kann auch bidirektional über SMS und E-Mail kommuniziert werden.

IM FREMDNETZ DIE 112!

Haben wir kein eigenes, aber ein fremdes GSM-Netz zur Verfügung, ist die europäische Notrufnummer 112 die einzige Möglichkeit, einen Notruf abzusetzen. Mittels „Notfall“ oder „Notruf“- Button am Display – meist befindet er sich unterhalb der PIN-Code-Eingabe am Mobiltelefon – wird über die 112 eine Verbindung zu einem sogenannten „Public Safety Answering Point (PSAP)“ hergestellt. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist die 112 in Österreich dem Bundesministerium für Inneres (BMI) zugeordnet. Deshalb wird sie bundesweit an den Polizei-Notruf 133 weitergeleitet und landet dann bei einer Leitstelle der Polizei*.
 
VORTEILE
  • Die 112 ist die einzige Nummer, die „Limited Service Mode“ aus einem fremden Netz gewählt werden kann.
  • Der Notruf-Button funktioniert auch ohne PIN- Eingabe und – zumindest in Österreich – auch ohne SIM-Karte, ohne Handy-Vertrag und ohne Guthaben.
  • Des Weiteren wird die 112 im Netz priorisiert, also vorgereiht.
     
NACHTEILE
  • Kann der Notruf über die 112 nur aus einem fremden Netz abgesetzt werden, wird die Nummer bei der Polizei zwar angezeigt (vorausgesetzt es befindet sich eine SIM-Karte im Telefon), ein Rückruf kann allerdings nicht erfolgen. Der eingehende Notruf wird von der Polizei an die jeweilige Rettungsleitstelle weitergeleitet, welche in Folge eine tiefergehende Abfrage des medizinischen Notfalls durchführen kann und letztendlich auch die Rettungskette in Gang setzt. Bei unklaren Ortsangaben und der fehlenden Möglichkeit des Rückrufes könnte somit etwas Zeit verloren gehen, wenn der Notruf nicht direkt bei einer Rettungsleitstelle aufschlägt.
  • Zudem können aus dem Fremdnetz keine Standortdaten über die 112 übermittelt werden. Das ändert sich auch nicht durch „Advanced Mobile Location“ (AML). Dieser, von den neuesten Betriebssystemen von Google (ELS – Emergency Location Service) und iOS (ab 11.3) unterstütze Dienst, kann zwar Standort- und Personendaten in Zukunft aus dem eigenen Netz sowohl per HTTPS als auch per SMS, nicht aber aus einem fremden Netz an die 112 übermitteln.
Notruf im Gebirge © ÖAV Satelliten-Netz © ÖAV Fremdnetz © ÖAV

IM EIGENEN NETZ DIE 140!

Sind wir im eigenen Netzt eingeloggt, ist die Bergrettungsnummer 140 der 112 jedenfalls vorzuziehen.

WARUM?
  • Mit der 140 kommt man in ganz Österreich auf Landes- bzw. Bezirksebene direkt an die Leitstelle der (Berg)rettung, welche nach einem professionellen Einsatzleitsystem mit strukturierten Notfallabfragen die Einsatzkräfte direkt und ohne Umwege alarmieren kann.
  • Außerdem ist durch einfaches Rückbestätigen einer SMS von der Leitstelle die Übertragung von Standortdaten (sofern dieser Dienst am Mobiltelefon aktiviert ist**) möglich.

NACHTEIL DER 140?
Die Nummer ist nicht priorisiert und funktioniert nicht, wie erwähnt, im Fremdnetz.
 
NOTFALL APPS
Im eigenen Netz stehen uns aber auch verschiedene Notfall-Apps zur Verfügung. Per Alarm-Button werden neben einer automatischen Telefonverbindung zur Leitstelle auch Personen- und exakte Standortdaten entweder über Internet oder via SMS übermittelt. So funktioniert zum Beispiel die App „144 Rettung Notruf NÖ“ in ganz Österreich und Tschechien. Der Notruf landet bei der Leitstelle Niederösterreich, eine Weiterleitung an die jeweils zuständige Leitstelle des Landes ist gewährleistet. Die „Notfall App Bergrettug Tirol“ funktioniert ähnlich, aber nur in Tirol und geht direkt an die Leitstelle Tirol. Die App „Echo112“ ist ein Web Emergency Locator. Über sie wird der Notruf an die 112 abgesetzt und zeigt dann der Leitstelle (oder einem anderen Benutzer) bei Eingabe der Handy-Nummer im Web-Portal die genaue Position an.
 
Haben wir ein zu schwaches Netz für einen Anruf, aber ausreichend Netzverbindung für eine SMS (und wird AML noch nicht unterstütz) können wir als letzten Hoffnungsschimmer eine SMS-Nachricht mit Standortdaten an den kostenlosen Gehörlosen-Notruf 0800 133 133, der bei der Polizei Wien landet, abschicken.
 
 
Eigenes Netz © ÖAV Notfall am Berg © Christophorus Flugrettungsverein Notfall App © ÖAV
*Bis Anfang 2019 soll in jedem österreichischen Bundesland eine zentrale Leitstelle (Landesleitzentrale LLZ) mit einem einheitlichen Einsatzleit- und Kommunikationssystem (Elkos) eingerichtet werden. Deren Mitarbeiter nehmen die Notrufe des jeweiligen Bundeslands entgegen.

**Bei AML ist dies nicht mehr notwendig: Das Betriebssystem aktiviert WLAN und Satellitennavigation automatisch.


Kategorie:    ALPINFORUM

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