Menü
Line
Canyoning - Alex Riml

EINE HEISSE SACHE IN KALTEM NASS?

Canyoning Teil 2: TOURENPLANUNG

25.08.2019
Autor: Alexander Riml, Tiroler Bergsportführerverband

Canyoning - Der "nasse" Bergsport

In unserem ersten Blogbeitrag zum Thema Canyoning ging es vorrangig um die richtige Ausrüstung, die Vor- und Nachteile sowie wichtige Anforderungen an einzelne Ausrüstungsgegenstände.

Mindestens genauso wichtig für den Spaß im kalten Nass ist das Thema Planung. Die Tourenplanung ist nichts anderes als das Sammeln, Vergleichen und Ausarbeiten von Informationen für eine bestimmte Tour. Sie ist nicht nur beim Canyoning eines der wichtigsten Elemente, sondern auch bei allen anderen Outdoorsportarten. 

Line

TOURENPLANUNG

Wie und ob eine Tour erfolgreich wird, entscheidet sich schon bei der Tourenvorbereitung zu Hause. Deshalb gilt ganz grundsätzlich: wer eine gute Tourenplanung betreibt, den bringen später unvorhergesehene Dinge nicht so schnell aus dem Konzept. 

Bei der Canyoning Tourenplanung sind einige wichtige Punkte besonders zu beachten. Da das Begehen von Gebirgsschluchten im Vergleich zum herkömmlichen Alpinismus eine Erweiterung des Gefahrenpotentiales darstellt, ist eine sorgfältige Vorbereitung in diesen Bereichen unumgänglich.

ERWEITERTE GEFAHRENPOTENTIALE:

● Ertrinkungsgefahr
● Kombination Wasser und Seil
● unwegsames, glitschiges Gelände
● eingeschränkter/s Horizont/ Blickfeld in Bezug auf die aktuelle Wetterentwicklung (Gewitter)
● Kommunikationsschwierigkeiten gruppenintern während der Tour (laute Geräuschkulisse durch die Wasserfälle)
● kaum Kommunikationsmöglichkeiten zu Rettungsorganisationen nach einem Unfall (da Handys und Funkgeräte meistens nicht funktionieren)
● rasches Auskühlen und Unterkühlung


Daher sind subjektive und objektive Bereiche nur mit viel Erfahrung in einer überschaubaren und verantwortungsbewussten Struktur zusammenzufügen und in der Tourenplanung festzuhalten. Der Einstieg in eine Canyoningtour muss sehr gut überlegt sein, da sich das Umkehren meist schwierig gestaltet. Eine kleine Fehleinschätzung nach der ersten Abseilstelle, an der das Seil abgezogen wurde, kann einen Rückzug bereits unmöglich machen.
Im Rahmen der Tourenplanung müssen daher alle wichtigen Punkte sorgfältig und systematisch durchgearbeitet werden,
wofür sich eine Checkliste sehr gut bewährt hat.
 

WICHTIGE BESTANDTEILE DER TOURENPLANUNG:

● Material
● Wetterverhältnisse
● Zeitplanung
● Gruppengröße
● Fähigkeiten und Konstitution der Partner
● aktuelle Geländebedingungen
● behördliche Reglementierungen

ZEITPLANUNG

Die Zeitplanung beim Canyoning ist im Grunde nicht anders, als bei allen anderen Alpinsportarten. Zur Planung verwendet man auch hier nach Möglichkeit Tourenführer mit Topos und Karten (1 : 25.000). Die Zeitangaben in Tourenführern bilden einen groben Rahmen für die Planung und gehen vom Idealzustand der Tour aus. Dieser kann sich im Laufe der Zeit jedoch gravierend verändert haben, etwa durch Hochwasser oder Muren. Bei der Planung selbst sowie bei der Berechnung des Zeitaufwandes darf zudem nicht nur die reine Abstiegszeit berücksichtigt werden.
Auch die Gruppengröße, die Erfahrung und das technische Können spielen eine große Rolle.
Der Anmarsch führt oftmals durch sehr unwegsames Gelände, in dem es keine Wege gibt. Dies kann bei unbekannten Touren beim Hin- und Rückweg zu technischen Schwierigkeiten oder gar zu Orientierungsproblemen führen und den gesamten Zeitplan in Gefahr bringen. Auch das Umziehen nimmt oft sehr viel Zeit in Anspruch. Das Anziehen der engen Neoprenbekleidung kann für Personen, welche zum ersten Mal dabei sind, schwierig sein. Sie brauchen deshalb häufig Unterstützung von anderen Gruppenmitgliedern. Einen weiteren Zeitfaktor stellt die Frequentierung der Schlucht dar und wie kommerziell sie genutzt wird. Bei manchen Schluchten kann es zu unvorhergesehenen Staus an Schlüsselstellen kommen, die sich anschließend an jeder Abseilstelle wiederholen.
Bei längeren Touren müssen auch Ruhe- und Essenspausen
auf möglichst sonnigen Plätzen miteingerechnet werden, da Kälte sehr viel Energie verbraucht. 
Der Zeitbedarf sollte so berechnet sein, dass auch bei unvorhergesehenen Situationen (schlechte Standplätze, Staus usw.) kein Zeitdruck entsteht. Die Aufbruchszeit zu einer Tour ist immer von der anbrechenden Dämmerung an diesem Tag abhängig.
ACHTUNG: Bei Schluchten mit einem Einzugsgebiet von Gletschern ist an heißen Tagen sowie 
bei der Schneeschmelze im Frühjahr entsprechend frühzeitig zu starten.  
Alex Riml Alex Riml Alex Rimml

WETTERVERHÄLTNISSE

Beim Canyoning spielen die Wetterverhältnisse eine große Rolle, was sich anhand verschiedenster Unfallbeispiele belegen lässt. Das große Problem stellen dabei vor allem die Niederschläge dar, die zu einem großen Teil durch die Schluchten wieder abfließen. Ein Gewitter mit heftigen Niederschlägen kann den Wasserstand in einer Canyoningroute daher massiv ansteigen lassen, was vor allem bei Engstellen ohne Ausstiegsmöglichkeiten zu gefährlichen Situationen für alle Gruppenmitglieder führt.
 
Eine stabile Wetterlage ist daher Grundvoraussetzung vor Beginn jeder Tour. Beim Zustieg muss die Wetterentwicklung fortlaufend beobachtet werden, denn in der Tour selbst wird dies durch den eingeschränkten Blickwinkel nicht mehr möglich sein. Im Zweifelsfall sollten bei Anzeichen von Wetterverschlechterung keine Kompromisse eingegangen und die Tour sofort abgebrochen werden.
Bei der Planung eines Tourenzieles müssen Informationen über die Wetterlage
in diesem Gebiet unbedingt schon einige Tage zuvor eingeholt werden.
Dies ist eine der wichtigsten Informationen, welche viele Canyoningbegeher jedoch leider oft vernachlässigen. Neben der aktuellen Wetterlage gilt es auch, sich über längere Trocken- oder Regenperioden im Vorfeld zu informieren. Sind in diesem Gebiet beispielsweise vor kurzem heftige Unwetter niedergegangen, könnten durch das Hochwasser Standplätze beschädigt oder gar vernichtet worden sein. Dies bedeutet, dass bei der Planung mehr Zeit und mehr Sicherungsmaterial einkalkuliert werden muss.


INFORMATION ANDERER

Zum eigenen Schutz sollte man alle nötigen Informationen über die beabsichtigte Tour bei einer zuverlässigen Adresse hinterlegen und die wichtigsten Punkte schriftlich hinterlassen. Eine genaue Absprache über die Notrufalarmierung mit den jeweiligen Personen kann Missverständnisse vorbeugen.
 

DIE WICHTIGSTEN PUNKTE:

● Tourengebiet
● Einstiegshöhe
● Tourenname (Name der Schlucht lt. Karte)
● Zeitpunkt der Rückkehr
● Zeitpunkt der Alarmierung
● Notrufnummer in fremden Ländern vor der Tour besorgen
Alex Riml Tirol Werbung Haindl Ramon Tirol Werbung Bernd Aichner

MATERIAL

Das richtige Material und dessen Zustand sind beim Canyoning ein äußerst wichtiger Aspekt. Wird durch eine nicht fachgerechte Tourenplanung das falsche Material (beispielsweise zu kurze oder beschädigte Seile) mitgenommen, so kann dies für die gesamte Gruppe zu einem erheblichen Gefahrenrisiko werden.
Vor jeder Tour wird die Ausrüstung auf Vollständigkeit und Zustand überprüft.
Das Hauptaugenmerk sollte auf der Notfallausrüstung, dem Ersatzmaterial und den benötigten Seillängen liegen.
Das Packen des Materials koordiniert der erfahrenste Teilnehmer (Führer). So darf das gesamte Notfallmaterial nicht in einem Rucksack verstaut, sondern soll gleichmäßig auf alle Gruppenmitglieder aufgeteilt werden. Alle Gruppenmitglieder müssen zudem wissen, wo sich die einzelnen Notfallgegenstände befinden.
Ausrüstungsgegenstände, die schnell griffbereit sein müssen (Messer, Klemmen, Signalpfeife), werden am Gurt oder Körper fixiert.
Zusätzlich zur benötigten Standardausrüstung für die geplante Tour hat jeder eine sogenannte Mindestausrüstung dabei. Das ist jenes Material, welches jeder Teilnehmer aufweisen muss, wenn er in eine Tour einsteigt. Dies zu kontrollieren liegt zur Gänze in der Verantwortung des jeweiligen Führers. Die Mindestausrüstung richtet sich nach der Erfahrung und dem Wissensstand des Teilnehmers auf dem Gebiet der Canyoningtechnik.
 

MINDESTAUSRÜSTUNG TEILNEHMER:

● vollständige Neoprenbekleidung
● angemessenes Schuhwerk
● Helm
● Sitzgurt mit Selbstsicherungsschlinge
● Abseilgerät
● Signalpfeife
● Messer oder Ambossschere
 

MINDESTAUSRÜSTUNG FÜHRER:

● vollständige Neoprenbekleidung
● angemessenes Schuhwerk
● Helm
● Sitzgurt mit Sicherungsschlinge
● Abseilgerät
● Signalpfeife
● Messer oder Ambossschere
● Transportmaterial
● Nottonne mit Erster-Hilfe-Ausstattung
● Handy
● Seile
● Wurfsack
 

STANDARDAUSRÜSTUNG GRUPPE:

● Reserveabseilgerät
● Reserveseil (höchste Stelle)
 ● Reserveneoprenhandschuhe und Kapuze
● Transportmaterial
● zweite Nottonne mit Erster-Hilfe-Ausstattung (je nach Gruppengröße)
● Haken- und Klemmkeilset
● Bohrset und Schlingenmaterial
● Proviant bei längeren Touren
● Getränke
● Kartenmaterial
● Topos
WICHTIG: Nach jeder Tour ist das gesamte Material auf Mängel und Beschädigungen zu untersuchen
und gegebenenfalls zu ersetzen oder zu reparieren!

Kategorie:     ALPINFORUM

DAS KÖNNTE DICH AUCH NOCH INTERESSIEREN

Erste Hilfe Ronka

LEBENSRETTENDE SOFORTMASSNAHMEN

Soll ich zuerst den Notruf wählen oder vorher eine Bewusstseinskontrolle durchführen?
Karl Gabl

BLITZ & WANDERN

Allein stehende Bäume, Drahtseile, Liftstützen sowie Wasserläufe sollten Bergsteiger unbedingt meiden.
Philipp Reiter

TRAILRUNNING -
ANFÄNGERFEHLER & NO GO´S

10 Trailrunning Tipps gibt es von einem der österreichischen Trailrunner schlechthin.
Line

ÖSTERREICHS EINZIGE
BERGSPORTMESSE 


Bei der Alpinmesse kann sich der Bergsportler direkt bei den Herstellern beraten und informieren, welches Produkt für ihn das Passende ist. Diese Möglichkeit - sich an einem Wochenende und unter einem Dach zu informieren und zu vergleichen - ist einmalig. 
 

Anfangs mit Skepsis betrachtet - heute die wichtigste Messe für Bergsportler im deutschsprachigen Raum!
 
Fotos © Tirol Werbung, Alex Riml, Haindl Ramon, Aichner Bernd
Diese Webseite verwendet Cookies. Durch das Nutzen dieser Seite sind Sie mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Mehr Informationen   OK