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Lebensrettende Sofortmaßnahmen

LEBENSRETTENDE SOFORTMASSNAHMEN

01.04.2019
Autor: Erste Hilfe Fibel des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit 
Georg Schäfer, Günther Sumann, Martin Burtscher, Walter Würtl, Martin Faulhaber

Passiert am Berg ein Unfall oder internistischer Notfall, sollte man für diese Notsituation entsprechend gewappnet sein.
Wie sichere ich die Unfallstelle ab?
Soll ich zuerst den Notruf wählen oder vorher eine Bewusstseinskontrolle durchführen?
Wie gehe ich bei einem Kreislaufstillstand vor?
Wenn du diese Fragen nicht auf Anhieb beantworten kannst, erhältst du mit dem Notfallalgorithmus eine umfassende Auffrischung dieser Grundkenntnisse!
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SITUATIONSÜBERBLICK VERSCHAFFEN

Wer sich rasch einen Überblick verschafft, kann Gefahren erkennen und vermeiden.
Achtung: Eigenschutz geht vor!
Vor Beginn des aktiven Handelns verschafft sich der Ersthelfer aufgrund des Geländes und der Lage des Verunfallten einen raschen Überblick über den Unfallhergang (auch internistische Notfälle werden als „Alpinunfall“ bezeichnet). Daraus lassen sich wichtige Rückschlüsse auf Art und Schwere des Unfalles ziehen sowie sofort objektive Gefahrenmomente erkennen und einschätzen. Denn am Berg ist mit weiteren Gefahren wie Absturz, Steinschlag, Eisschlag oder Kollision (Piste, Rodelbahn) zu rechnen.

Um zusätzliche Schädigungen zu vermeiden, ist deshalb vor jeder weiteren Maßnahme:
  • die Unfallstelle abzusichern (markieren, absperren, etc.),
  • ggf. der Verunfallte aus dem Gefahrenbereich zu retten,
  • ggf. der Verletze vor weiterem Abrutschen/ Absturz zu schützen.

Für eine schnelle Rettung und Bergung eignet sich sehr gut der Rautekgriff. Bei glattem Untergrund kannst du das Opfer auch über kurze Strecken schleifen. Schonender (jedoch langsamer) ist ein Verunfallter durch mehrere Personen mittels Brückentragegriff zu transportieren.
Erste Hilfe Ronka Erste Hilfe Ronka Erste Hilfe Ronka
In Notsituationen ist – unabhängig von der Ursache des Notfalls – eine möglichst lückenlose Sauerstoffversorgung des Gehirnes primäres Ziel. Deshalb ist es vorrangig, Störungen der Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) sofort zu erkennen und entsprechend zu behandeln. So werden – nach Schaffung eines Situationsüberblickes und Einschätzung der objektiven Gefahren – sofort die Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) kontrolliert und die entsprechenden lebensrettenden Sofortmaßnahmen durchgeführt.


BEWUSSTSEINSKONTROLLE

Bewusstsein und Atmung müssen sofort überprüft und entsprechend behandelt werden, da jede Störung dieser Vitalfunktionen
akute Lebensgefahr bedeutet!

Zuerst wird das Bewusstsein überprüft. Jeder Kontakt mit einem Verunfallten beginnt stets mit einem lauten Ansprechen des Betroffenen: „Was ist mit Ihnen geschehen? Wie geht es Ihnen?“ Kommt keine Reaktion, wird der Weckreiz durch Berührungen (wie sanftes Schütteln an der Schulter) oder dosierte Schmerzreize verstärkt.

Zeigt sich eine situationsgerechte Reaktion des Betroffenen, so ist das Bewusstsein vorhanden und es kann mit weiteren Maßnahmen wie entsprechender Lagerung, bei Unfällen mit Blutstillung, Schienung und Lagerung geholfen werden. Ist der Notfallpatient ohne Bewusstsein, müssen sofort – nach einem kurzen Hilferuf bzw. Delegieren des Notrufes an weitere Helfer in unmittelbarer Nähe – die Atemwege bei offensichtlicher Verlegung ausgeräumt, durch Hochziehen des Kinns freigemacht und die Atmung kontrolliert werden.
Bewusstseinskontrolle Dosierte Schmerzreize Hilferuf

KONTROLLE DER ATMUNG

Reglos, bei Check jedoch normale Atmung feststellbar: bewusstlos -> stabile Seitenlagerung


Folgende Maßnahmen sind bei offensichtlicher Verlegung der Atemwege durchzuführen: 

  • „Ausräumen“ der Mundhöhle
  • Freimachen der Atemwege durch Hochziehen des Kinns
  • Atemkontrolle
     

Sind die Atemwege offensichtlich verlegt (Erbrochenes, Blut, Schleim, (lockere) Zahnprothese, Schnee …), sind diese – wenn möglich unter der Verwendung von Einweghandschuhen und saugfähigem, nicht fusselndem Material – auszuräumen. Der Kopf darf dazu vorsichtig etwas zur Seite gedreht, aber nicht überstreckt werden.

Zur Kontrolle der Atmung wird der Kopf vorsichtig nackenwärts überstreckt, um so die Zunge anzuheben und freie Atemwege zu schaffen. Dabei wird eine Hand an die Stirn gelegt, während die andere Hand das Kinn hochzieht. Danach geht der Ersthelfer mit Wange und Ohr nahe an den Mund des Notfallpatienten, während die Augen auf den Brustkorb gerichtet sind. Dabei können die Atmung gespürt bzw. gehört und gleichzeitig die Brustkorbbewegungen gesehen werden. Die Kontrolle sollte nicht länger als 10 Sek. dauern.

Ist der Patient reglos, normale Atmung ist jedoch feststellbar und Kreislaufzeichen sind vorhanden, so spricht man von Bewusstlosigkeit. Der Betroffene wird in die stabile Seitenlagerung gebracht und – falls noch nicht erfolgt – ein Notruf abgegeben.
 

Reglos, bei Check keine normale Atmung feststellbar: Herzkreislaufstillstand -> Herzlungenwiederbelebung 30:2

Ist keine normale Atemtätigkeit festzustellen (im Zweifelsfall ist ein Atemstillstand anzunehmen, z.B. bei unregelmäßiger, schnappender Atmung), wird – falls noch nicht erfolgt – ein Notruf abgegeben und sofort mit der Herzlungenwiederbelebung (Herzdruckmassage + Beatmung 30:2) begonnen.


BEWUSSTLOSIGKEIT

Bewusstlos ist schutzlos! Deshalb: Stabile Seitenlage zur Sicherung der Atmung.

Jede Bewusstseinsbeeinträchtigung deutet auf eine ernste Gesundheitsstörung hin und ist als lebensbedrohlich zu betrachten. Im Zustand tiefer Bewusstlosigkeit verliert der Betroffene die Fähigkeit, mittels Schutzreflexen (Husten, Schlucken) auf eine Verlegung der Atemwege zu reagieren.
Aus diesem Grund muss jeder Bewusstlose zur Freihaltung der Atemwege und Sicherung der erhaltenen normalen Atmung in die stabile Seitenlage gebracht werden! Danach ist – falls noch nicht erfolgt – dringend ein Notruf abzusetzen. Ein bewusstloser Notfallpatient darf nie unbeobachtet bleiben, laufend sind Atem- und Kreislaufzeichen zu kontrollieren!
Stabile Seitenlagerung
VORGEHEN: Der Helfer kniet an der Seite des Patienten und legt den näher liegenden Arm im rechten Winkel zur Seite, Knie und Hand der ihm gegenüberliegenden Seite werden zusammengeführt (stabiles Dreieck). Dann dreht er den Patienten vorsichtig zu sich. Bei Verletzungen – außer bei Brustkorbverletzungen – wenn möglich die gesunde Seite. Bei vorsichtig überstrecktem Kopf soll der Mund so zu liegen kommen, dass Blut und Erbrochenes abrinnen können. Eine Hand kann eventuell als Unterstützung unter den Unterkiefer gelegt werden.

ACHTUNG: Bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen den Patienten möglichst schonend und gleichmäßig – „achsgerecht“ – auf die Seite drehen (wenn möglich durch mehrere Helfer oder unter Modifikation der stabilen Seitenlagerung mit Positionierung des Kopfes auf den, vor der Drehung ausgestreckten, Arm des Patienten). Eventuell vorausgehend: Stabilisierung der Halswirbelsäule mittels SAM-Splint. 
Inspektion Stabile Seitenlagerung Beobachtung

KREISLAUFSTILLSTAND

Herzlungenwiederbelebung: Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis 30:2

Wenn bei Kontrolle der Atmung keine normale Atmung feststellbar ist („Kreislaufstillstand“), muss zur Sauerstoffversorgung v.a. des Gehirns eine kombinierte Herzlungenwiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis 30:2 durchgeführt werden. Die Frequenz der Herzdruckmassage beträgt mindestens 100/ Min.

Für die Herzdruckmassage wird der Ballen einer Hand auf dem Brustbein in der Mitte des Brustkorbes platziert und die zweite Hand darübergelegt. Danach werden die Finger verschränkt und die Arme gerade gehalten. Auf die Rippen wird kein Druck ausgeübt, die Drucktiefe beträgt 5-6 cm. Dies erfolgt kräftig und schnell. Nach jeder Herzdruckmassage ist der Brustkorb vollständig zu entlasten und die Unterbrechungen sind auf ein Minimum zu reduzieren. Im Anschluss wird 2x beatmet. Dabei muss mit einer Hand die Nase fest verschlossen und – mit der anderen am Kinn – der Kopf in überstreckter Position gehalten werden, damit die Atemwege frei bleiben. Eine Beatmung soll 1 Sek. lang dauern. Die Beatmungsmenge beträgt 500 bis 600 ml. Herzdruckmassage und Beatmung werden ohne Unterbrechung fortgesetzt bis entweder der AED/ „Defi“ zum Einsatz kommt, der Betroffene wieder normal zu atmen beginnt, der Notarzt eintrifft oder der Ersthelfer abgelöst wird.

ACHTUNG: Bei Vorliegen eines Herzkreislaufstillstandes wird keines der Organe im Körper mit Blut versorgt. Am empfindlichsten reagiert darauf das Gehirn, das schon nach 4-6 Minuten ohne Sauerstoff unwiderrufliche Schäden erleidet! Alle lebensrettenden Sofortmaßnahmen haben deshalb den Zweck, eine rasche „Ersatzdurchblutung“ und damit eine minimale Sauerstoffversorgung der Organe zu gewährleisten, um so ein Überleben des Patienten zu sichern. Sind die Helfer in Wiederbelebungsmaßnahmen nicht ausgebildet oder ist eine Beatmung nicht durchführbar, so sollte in diesem Fall ohne Unterbrechung nur die Herzdruckmassage (ohne Beatmung) durchgeführt werden. Meistens ist nämlich in den ersten Minuten nach einem Kreislaufstillstand im Blut noch eine ausreichende Menge an Sauerstoff enthalten.
Druckpunkt Herzdruckmassage Beatmung

NOTRUF

Die wichtigsten Notrufnummern für einen Alpinunfall sind in Österreich:
  • 112 Euro-Notruf
  • 140 Alpinnotruf
  • 144 Rettungsnotruf

Beginne immer mit den wichtigsten Informationen bzw. folge den Fragen der Leitstelle – diese trifft die Entscheidungen in der Organisation der Rettungsaktion. Sollte während des Notrufs die Verbindung abreißen, kann so die Rettungsaktion trotzdem gestartet werden:
  • Wo genau ist der Notfallort? (Ortsbeschreibung, Höhenangabe, GPS-Koordinaten)
  • Was ist geschehen? (Art des Notfalles: Lawinenunfall, Spaltensturz, Bewusstseinszustand)
  • Wer meldet? (Name, Telefonnummer)
  • Wann ist es geschehen?
  • Wie viele Personen benötigen Hilfe?
  • Welche Wetter- und Sichtverhältnisse herrschen? (Wind, Geländebedingungen, evtl. Hindernisse für einen Hubschraubereinsatz wie z.B. Seile) 

ACHTUNG: Nenne deine Telefonnummer und bleibe bis zum Eintreffen der Rettungskräfte telefonisch erreichbar, damit die Leitstelle oder der Hubschrauber – wenn notwendig - zurückrufen können. Lege nicht selbst auf und folge den Fragen und Anleitungen der Leitstelle. Nur diese beendet das Gespräch. Auch kann sie dir wichtige Ratschläge zur Versorgung des Verletzten geben.

Kategorie:     ALPINFORUM

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Fotos © Ronka Oberhammer, Christophorus Flugrettungsverein, Salomon - Markus Kröll, Tirol Werbung
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