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20 Jahre Alpinmesse: Gerlinde Kaltenbrunner im Interview

04.11.2026

20 Jahre Alpinmesse: Gerlinde Kaltenbrunner spricht über Vorbilder im Alpinismus und was sie sich für die Zukunft der Bergsportlerinnen wünscht.

Sie waren seit Beginn der Alpinmesse immer wieder als Speakerin zu Gast: Welche Veränderungen im Alpinismus haben Sie in dieser Zeit im Bergsport besonders wahrgenommen?


Der Alpinismus ist aus meiner Wahrnehmung auf jeden Fall sichtbarer und vielfältiger geworden. Über soziale Medien bekommen wir heute viel unmittelbarer mit, was am Berg geschieht. Gleichzeitig ist die technische und logistische Unterstützung größer geworden. Das kann vielleicht hilfreich sein, ersetzt aber weder Erfahrung noch eine gute Einschätzung der eigenen Grenzen. Wichtig bleibt, dass wir weiterhin vor allem auch über Verantwortung, Sicherheit und respektvollen Umgang mit den Bergen sprechen.

Als erste Frau, die alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff bestiegen hat: Welche Rolle spielen heute Vorbilder wie Sie für junge Bergsportlerinnen?


Vorbilder, glaube ich, können zeigen, was möglich ist – aber sie sollten niemandem einen bestimmten Weg vorgeben. Ich hoffe junge Frauen sehen, dass sie ihren eigenen Zugang zum Berg finden und auf ihre Fähigkeiten vertrauen dürfen.

20 Jahre Alpinmesse: Welche Botschaft würden Sie gerne an die nächste Generation von Bergsteigerinnen oder auch Extrembergsteigerinnen mitgeben?


Geht’s euren Weg mit Freude, und auch mit Respekt vor dem Berg. Beste Vorbereitung, Geduld und ein verlässliches Team sind mindestens so wichtig wie Mut. Und habt die Courage umzudrehen, wenn die Bedingungen nicht passen. Ein Gipfel ist nie wichtiger als die Menschen, mit denen wir unterwegs sind.

Sie haben gemeinsam mit Sunny Stroeer 2025 über „Frauen im Alpinismus“ gesprochen: Welche konkreten Projekte oder Initiativen würden Sie sich für die nächsten 10 Jahre wünschen, um Frauen den Zugang zu großen Expeditionen zu erleichtern?


Aus meiner Sicht würden Angebote hilfreich sein, die vor allem die mentale Stärke und das Selbstvertrauen von Bergsteigerinnen fördern – z.B. Workshops oder Trainings, in denen sie lernen, eigene Ziele zu entwickeln und an ihre Fähigkeiten zu glauben. Der Weg zu den großen Expeditionen sollte damit beginnen, Schritt für Schritt Erfahrung zu sammeln. Dafür gibt es bereits einige Möglichkeiten, z.B. beim Alpinkader, der Naturfreunde oder auch beim Alpenverein.

Zum Abschluss: Was war Ihr prägendstes Alpinmesse-Erlebnis seit 2006 und welche Erinnerung verbinden Sie mit der Messe?


Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Begegnung damals mit David Lama, den ich auf der Alpinmesse zum ersten Mal persönlich getroffen und mich dort mit ihm ausgetauscht hatte. Insgesamt waren für mich immer die spannenden Gespräche mit anderen Alpinisten und Besuchern besonders wertvoll. Und dieser persönliche Austausch macht für mich die Alpinmesse aus. Gleichgesinnte Menschen zusammen zu bringen, Erfahrungen zu teilen und sich gegenseitig inspirieren.

Was wünschen Sie der Alpinmesse zum 20-jährigen Jubiläum und für die kommenden Jahre?


Ich wünsche der Alpinmesse von Herzen, dass sie auch in den kommenden Jahren ein Ort der Begegnung, des Austausches und der Inspiration bleibt. Wo die Menschen voneinander lernen, neue Impulse mitnehmen und ihre Begeisterung für die Berge miteinander teilen können.

 

© Bildrechte: Schöffel

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