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20 Jahre Alpinmesse: Karl Gabl im Interview
28.10.2026
20 Jahre Alpinmesse: Karl Gabl erzählt, wie alles begann, welche Meilensteine erreicht wurden und warum alpine Sicherheit heute wichtiger denn je ist.
2006 haben Sie als damaliger Präsident des Österreichischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit die Alpinmesse initiiert: Welche Idee stand damals dahinter? Hätten Sie erwartet, wie sich die Messe in den 20 Jahren entwickelt hat?
Die Idee entstand beim Alpinforum in Seefeld vor 21 Jahren. Dort beobachtete ich, wie groß das Interesse der Besucher an den drei oder vier Ausstellern war, die ihre Produkte dort präsentierten. Das brachte mich auf den Gedanken, eine eigene Alpinmesse ins Leben zu rufen. Ich sprach mit Dr. Georg Lamp, dem damaligen Messedirektor, der von der Idee sofort begeistert war. Er sagte mir seine persönliche Unterstützung zu und schätzte das finanzielle Risiko als gering ein. Um das Kuratorium finanziell nicht zu belasten, übernahm ich für die erste Alpinmesse selbst das Risiko.
Wie stark sich die Messe seither entwickelt hat, hat mich beeindruckt. Dr. Lamp hatte dieses Potenzial offenbar schon damals erkannt. Mir war von Anfang an wichtig: Keine Alpinmesse ohne Alpinforum. Der Austausch über alpine Sicherheit gehört untrennbar dazu. Ergänzt wird dieses Angebot durch zahlreiche praxisnahe Workshops – etwa zur Suche nach Lawinenverschütteten oder zur Ersten Hilfe. Die Besucher können selbst mitmachen, ihre Kenntnisse vertiefen und Fähigkeiten üben. So nehmen sie einen konkreten Mehrwert für ihre nächsten Unternehmungen am Berg mit nach Hause.
Als Meteorologe und Bergführer haben Sie die Entwicklung der alpinen Sicherheit über Jahrzehnte begleitet: Was hat sich beim Umgang mit Wetter- und Lawinenrisiken seit den Anfängen der Alpinmesse besonders verändert?
Die Wetterprognosen, die Lawinenberatung und die Lawinenwarnungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich verbessert. Auch in der Ausbildung zur Einschätzung von Lawinenrisiken hat sich viel getan. Bergsportler haben heute deutlich bessere Möglichkeiten, sich zu informieren und sich auf ihre Touren vorzubereiten. Leider spiegeln sich diese Fortschritte aus meiner Sicht nicht ausreichend in der alpinen Unfallstatistik wider. Bessere Informationen allein reichen nicht aus: Entscheidend ist, wie wir sie nutzen und welche Entscheidungen wir am Berg treffen.
Ich beobachte zunehmend Selbstüberschätzung, fehlende alpine Erfahrung und mangelnden Respekt vor der Natur. Die Darstellung des Bergsports in den Sozialen Medien hat diese Entwicklung massiv verstärkt, weil Schwierigkeiten und Risiken hinter spektakulären Bildern verschwinden. Die Folgen zeigen sich aus meiner Sicht deutlich in den stark zunehmenden Einsatzzahlen der Bergrettung.
Welche Meilensteine in der alpinen Sicherheitsforschung bzw. -prävention der letzten 20 Jahre sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten?
Der größte Meilenstein ist sicherlich die Zusammenarbeit von Österreichischem Kuratorium für alpine Sicherheit und Alpinpolizei bei der Unfalldatenbank. Als Präsident des Kuratoriums ist es mir vor rund zwanzig Jahren gelungen, einen Vertrag mit Innenministerin Liese Prokop abzuschließen. Seither werden die von der Alpinpolizei hervorragend erhobenen alpinen Unfälle dem Kuratorium anonymisiert zur Auswertung und Homogenisierung zur Verfügung gestellt. Es ist die größte und qualitativ hochwertigste alpine Unfalldankbank weltweit. Hervorheben möchte ich auch die regelmäßige Fortbildung der Alpinsachverständigen durch das Kuratorium. Das gewährleistet eine hervorragende Qualität bei der Beurteilung von Alpinunfällen und damit auch bei der Rechtsprechung.
Welche Themen, die bereits vor zwanzig Jahren diskutiert wurden, sind heute noch relevant, vielleicht sogar noch wichtiger geworden oder damals ihrer Zeit voraus?
Damals wie heute wichtig: Der Faktor Mensch. Ein Dauerbrenner sind natürlich auch die Lawinen.
Zum Jubiläum: Welche persönliche Erinnerung an die Anfänge der Alpinmesse ist Ihnen bis heute besonders geblieben?
Der Zuspruch des Publikums und die vielen guten Gespräche und Ideen, die sich hier entwickelt haben. Nicht nur aus dem ganzen deutschsprachigen Raum kommen die Menschen zusammen. Ich treffe dort auch regelmäßig Leute aus Schweden, Tschechien oder den Niederlanden, die längst zu Freunden geworden sind. Sie alle eint der Wunsch, gut und gesund wieder vom Berg nach Hause zu kommen.
Was wünschen Sie der Alpinmesse zum 20-jährigen Jubiläum und für die kommenden Jahre?
Weiterhin viel Erfolg und großen Zuspruch und dem Alpinforum wünsche ich weiterhin einen regen Gedankenaustausch.