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Hochsaison am Berg: Tipps für sichere Hochtouren im Sommer

01.08.2026

Gletscherrückgang, Spalten, Steinschlag - worauf Bergsteiger besonders achten müssen und wie man trotz veränderter Verhältnisse sicher unterwegs ist.

Hochtouren im Spätsommer: Sicher unterwegs am Berg


Der August gilt traditionell als Hochsaison für Gletschertouren und hochalpine Unternehmungen. Doch die Bedingungen in den Alpen haben sich in den letzten Jahrzenten dramatisch verändert: Klassische Routen sind anspruchsvoller geworden, neue Gefahren entstehen durch auftauenden Permafrost und instabile Schneebrücken. Wer im August auf Hochtour geht, braucht mehr denn je aktuelles Wissen, die richtige Ausrüstung und die Bereitschaft, Pläne anzupassen. Was Bergsteiger früher als stabile Verhältnisse kannten, erfordert heute deutlich mehr Aufmerksamkeit und angepasste Strategien. Wir zeigen, worauf es wirklich ankommt.

Gletscherschwund verändert klassische Routen


Die Gletscher in den Alpen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch an Masse verloren. Was bedeutet das konkret für Tourengeher? Viele klassische Anstiege sind heute deutlich länger, steiler oder technisch anspruchsvoller geworden. Wo früher Schnee und Eis den Untergrund bildeten, liegen heute oft Geröllfelder oder blankes Eis.

Konkrete Auswirkungen:

  • Längere Zustiege durch zurückweichende Gletscherzungen

  • Steilere Eispassagen durch Massenverlust

  • Neue Spalten und Randklüfte, die in älteren Führern nicht verzeichnet sind

  • Instabile Moränen und Schutthalden im Gletschervorfeld

Was Bergsteiger tun sollten:

Aktuelle Tourenberichte und Hütteninformationen sind unverzichtbar. Viele Alpenvereinssektionen und Bergführerverbände veröffentlichen regelmäßig Updates zu veränderten Routenverhältnissen. Auch der direkte Kontakt zur Hütte vor Ort liefert wertvolle Informationen über den aktuellen Zustand der Route.

Spalten: Die unsichtbare Gefahr


Im Spätsommer sind viele Gletscher bereits stark ausgeapert. Schneebrücken, die im Frühsommer noch tragfähig waren, werden zunehmend instabil oder verschwinden ganz. Gleichzeitig öffnen sich durch die Gletscherbewegung neue Spalten.

Besondere Vorsicht ist geboten bei:

  • Flachen Gletscherpassagen, wo Spalten oft von dünnen Schneeresten verdeckt sind

  • Randklüften zwischen Fels und Eis, die sich im Sommer deutlich verbreitern

  • Nachmittagstouren, wenn die Schneebrücken durch die Tageswärme aufgeweicht sind

Sicherheitsmaßnahmen:

Die Seilschaft bleibt das A und O auf Gletschern. Auch auf vermeintlich harmlosen Passagen. Der Abstand zwischen den Seilschaftsmitgliedern sollte mindestens 10 bis 15 Meter betragen. Prusikschlingen oder mechanische Steigklemmen gehören zur Standardausrüstung, ebenso wie die Kenntnis der Spaltenbergungstechniken. Wer diese nicht sicher beherrscht, sollte einen Kurs besuchen oder sich einem Bergführer anvertrauen.

Steinschlag: Unterschätztes Risiko im Hochsommer


Mit steigenden Temperaturen nimmt auch die Steinschlaggefahr zu. Auftauender Permafrost, schmelzendes Eis in Felsspalten und die intensive Sonneneinstrahlung lösen Steine und ganze Felspartien. Was früher als stabil galt, kann heute zur Gefahrenzone werden.

Kritische Bereiche:

  • Süd- und Westflanken, die der Nachmittagssonne ausgesetzt sind

  • Bereiche unterhalb von Gletscherabbrüchen

  • Couloirs und Rinnen, die als natürliche Steinschlagschneisen fungieren

  • Moränenhänge und frisch freigelegte Felspartien

Strategien zur Risikominimierung:

Der frühe Start ist mehr als nur Tradition, er ist eine Sicherheitsmaßnahme. In den kühlen Morgenstunden ist der Fels noch gefroren, Schneefelder tragen besser und die Steinschlaggefahr ist deutlich geringer. Als Faustregel gilt: Exponierte Passagen sollten bis spätestens 10 Uhr durchstiegen sein. Auch die Routenwahl spielt eine entscheidende Rolle. Wer Alternativen kennt, kann gefährliche Passagen umgehen. Manchmal lohnt es sich, einen längeren, aber sichereren Weg zu wählen.

Ausrüstung: Auf diese Details kommt es an


Die richtige Ausrüstung kann im Ernstfall entscheidend sein. Für Hochtouren im Spätsommer gehören folgende Dinge zur Grundausstattung:

Gletscherausrüstung:

  • Seil (mindestens 30 Meter für eine Zweierseilschaft)

  • Prusikschlingen oder Steigklemmen

  • Eisschrauben (auch wenn die Route als "einfach" gilt)

  • Bandschlingen und Karabiner

Schutzausrüstung:

  • Helm (Pflicht, nicht optional!)

  • Sonnenbrille mit hohem UV-Schutz

  • Sonnencreme mit sehr hohem Lichtschutzfaktor

  • Ausreichend Flüssigkeit (Dehydration wird oft unterschätzt)

Notfallausrüstung:

  • Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke

  • Biwaksack

  • Stirnlampe (auch für Tagestouren)

  • Mobiltelefon mit vollem Akku (Notruf 140 in Österreich, 112 EU-weit)

Tourenplanung: Flexibilität ist gefragt


Eine gründliche Tourenplanung beginnt bereits zu Hause. Doch in den Bergen muss man bereit sein, Pläne zu ändern. Wer stur an seinem Gipfelziel festhält, obwohl die Bedingungen dagegen sprechen, bringt sich und andere in Gefahr.

Checkliste für die Planung:

  • Aktuelle Wetterprognose (nicht nur für den Gipfel, auch für den Abstieg)

  • Verhältnisberichte von Hütten oder anderen Bergsteigern

  • Alternative Routen oder Ausweichziele

  • Zeitplan mit ausreichend Puffer

  • Notfallplan (Wo kann ich abbrechen? Wo gibt es Schutz?)

Kondition und Können realistisch einschätzen


Die beste Planung nützt nichts, wenn die eigene Leistungsfähigkeit überschätzt wird. Hochtouren im Spätsommer erfordern oft mehr Kraft und Ausdauer als im Frühsommer, da Schneefelder fehlen und der Untergrund anspruchsvoller wird.

Ehrliche Selbsteinschätzung:

  • Bin ich die geplante Gehzeit und Höhenmeter gewohnt?

  • Beherrsche ich die notwendigen Techniken (Steigeisen, Spaltenbergung)?

  • Habe ich Erfahrung mit den aktuellen Bedingungen?

  • Ist meine Seilschaft homogen in Können und Kondition?

Wer Zweifel hat, sollte sich einer geführten Tour anschließen oder zunächst leichtere Ziele wählen. Die Berge laufen nicht weg, es gibt immer eine nächste Saison.

Respekt vor den veränderten Bedingungen


Hochtouren im Spätsommer bieten großartige Erlebnisse, erfordern aber mehr denn je eine sorgfältige Vorbereitung und die Bereitschaft, auf veränderte Bedingungen zu reagieren. Der Klimawandel hat die alpinen Verhältnisse nachhaltig verändert. Wer dieses Tatsache ignoriert, geht unnötige Risiken ein. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen, angepasster Ausrüstung und einer realistischen Selbsteinschätzung lassen sich auch unter den neuen Bedingungen sichere und unvergessliche Touren unternehmen. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus gründlicher Planung, Flexibilität vor Ort und dem Mut, auch einmal umzukehren.

Auf der Alpinmesse mit Alpinforum wird es auch heuer wieder Workshops rund um sichere Hochtouren geben. Außerdem können sich Besucherinnen und Besucher dort die neueste Ausrüstung für Gletschertouren testen und sich von Profis beraten lassen.

 

Bildquelle: Tirol Werbung / Höhn Sebastian

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