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Wandern boomt

WANDERN BOOMT - UNFALLZAHLEN

02.07.2019
Unfallstatistik Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Wandern boomt! Das Bild vom klassischen Wanderer hat sich gewandelt: Immer seltener trifft man die Hardcore-Garde mit roten Strümpfen und kariertem Hemd an. Alt und Jung sind bestens ausgerüstet: Hightech- und Ultralight-Ausrüstungsgegenstände sind der Renner, egal ob man einer Wandergruppe von Senioren oder einer Familie mit Kindern in den Bergen begegnet. Immer mehr bergbegeisterte junge Menschen zieht es in die Berge - schlägt sich das auch in den Unfallzahlen nieder?
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Haupttodesursachen beim Wandern sind nach wie vor Sturz, Stolpern und Ausgleiten im Abstieg sowie Herz-Kreislauf-Versagen im Aufstieg. Eine wirkungsvolle Prävention könnte hier beim Erlernen des „richtigen Gehens“ im alpinen Gelände und beim Vorbereiten der eigenen Fitness ansetzen, wie z. B. ein Fitnesstraining im Winter. Großteils fehlt es auch am richtigen Umgang und Einsatz der Ausrüstung, sowie an einer soliden Tourenplanung.
Die „Alpine Safety Area“ im Gschnitztal bietet hierfür eine gute Möglichkeit dies selbstständig
oder unter professioneller Aufsicht zu erlernen.
Die Statistiken und Berichte in der aktuellen Ausgabe analyse:berg – jahrbuch Sommer 2019 rund ums Thema Wandern verdeutlichen, dass auch das Wandern Gefahren mit sich bringt.
Im Zeitraum vom 01.11.2017 bis 31.10.2018 wurden in Österreichs Bergen 1.670 Wanderunfälle registriert mit insgesamt 2.058 Verunfallten (Tote, Verletzte, Unverletzte). 1.186 Personen verletzten sich so schwer, dass eine alpinpolizeiliche Erhebung stattfand. 779 Personen blieben unverletzt, tätigten jedoch einen alpinen Notruf, da sie blockiert waren. Für 93 Personen endete die Wanderung tödlich. 
Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
Beim Wandern und Bergsteigen ist der interne Notfall die Todesursache Nummer eins. 38 % der Alpintoten sind im Berichtsjahr und im langjährigen Mittel darauf zurückzuführen. Oftmals handelt es sich dabei um einen Herzinfarkt.
An zweiter Stelle der Todesursachen beim Bergsteigen folgt Sturz, Stolpern und Ausgleiten mit 29 % (Mittel 10 Jahre: 31 %). Ein kleiner Stolperer reicht oft aus, um an ausgesetzten Stellen über den Weg hinaus zu stürzen. Weitere 21 % der tödlichen Unfälle entfallen auf Abstürze im Steilgelände (Mittel 10 Jahre: 16 %). 12 % verunfallten aus diversen Gründen, wie z. B. Verirren oder Versteigen, Erschöpfung, Steinschlag, Lawine oder Erkrankung.

Im Zehnjahresmittel stellt Sturz, Stolpern, Ausgleiten mit 76 % die Hauptverletzungsursache beim Wandern und Bergsteigen dar (2017/18: 75 %). Mit relativ einfachen Maßnahmen wie z. B. einer vernünftigen Tourenplanung, einer richtigen Einschätzung des Eigenkönnens, körperlicher Fitness, Konditionstraining, Gleichgewichtstraining sowie angepasster Ausrüstung ließe sich vermutlich so mancher Unfall vermeiden.
Im betrachteten Zeitraum entfallen von allen tödlichen Wanderunfällen 46 % auf den Abstieg. Im langjährigen Mittel dieser Fälle ereignen sich etwa die Hälfte durch Sturz und Absturz. Bei den tödlichen Unfällen im Aufstieg sterben hingegen im Zehnjahresmittel beinahe zwei Drittel durch Herz-Kreislauf-Versagen. Die Auswertung der Verletzten im Jahr 2017/18 mit klar zuordenbarer Bewegungsrichtung zeigt, dass im Zehnjahresmittel 83 % beim Abstieg zu Schaden kommen, und dies vermehrt durch Sturz, Stolpern und Ausgleiten.
Im Jahr betrachteten Zeitraum stammen knapp die Hälfte der tödlich verunfallten Wanderer (48 %) aus Österreich, mehr als ein Drittel aus Deutschland (37 %). Bei den Verletzten führen Österreich und Deutschland mit je 43 % die Liste an. So banal Wandern für manchen erscheinen mag, so sinnvoll wäre der ein oder andere Kurs (z. B. Tourenplanung, Trittschulung) für wanderbegeisterte Bewohner im In- und Ausland.
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Das Österreichische Kuratorium für Alpine Sicherheit weist eindringlich auf die Gefahr von Gewittern am Berg hin. Besonders aufpassen sollte man bei hoher Gewitterwahrscheinlichkeit, Anzeichen dafür sind schwüle, feuchte Luft, Dunst am Morgen oder die rasche Entwicklung von großen Quellwolken. Bei sorgfältiger Tourenplanung unter Einbezug des Wetterberichtes und aufmerksamer Beobachtung der Wetterentwicklung kann man bei entsprechenden Vorzeichen rechtzeitig reagieren und umkehren.
Bedingt durch die großen Schneemengen im Großteil von Österreich (nördliche Kalkalpen ab ca. 1.600 Meter) stellt neben der Gefahr durch Ausrutschen auf Schneefeldern auch das Einbrechen in schneeüberdeckten Bächen, Dolinen und anderen Hohlräumen (z. B. überbedeckte Wege durch ein Latschenfeld) eine latente Gefahr im alpinen Gelände dar. Vor allem für Einzelwanderer kann dies in den mittleren alpinen Höhenlagen (Zwergstrauch- Latschenbewuchs und einzelne Bäume) zur Falle werden. Die Wegmarkierungen können teils über größere Abschnitte unter dem Schnee verdeckt und der Weiterweg am Ende eines Schneefeldes nicht eindeutig erkennbar sein. Ein Abkommen vom Weg ist deshalb leicht möglich. Dolinen oder Hohlräume in Latschenfelder können so zur Falle für den Wanderer werden. Die Soforthilfe durch Kameraden aus der misslichen Situation kann in manchen Fällen lebensrettend sein bzw. vor schlimmeren Folgen bewahren. Der Schutz der eigenen Sicherheit geht jedoch bei jeder Hilfeleistung vor!

Kategorie:     ALPINE ZAHLEN

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Fotos © Tirol Werbung, Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit
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